83,0kg und die Wutbürger

Am Sonntag habe ich die Bremer Wahlen verfolgt und ein Thema fiel mir dabei besonders auf. Man verschwieg, soweit es die Chronistenpflicht möglich machte, die Wählervereinigung „Bürger in Wut“. Das ganze innerhalb der ARD-Rundfunkanstalten so konsequent, daß es mir auffiel. Komisch, nicht?

Anderen Wutbürgern wird da viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl sie es nicht verdient haben. Ich möchte mal ein Beispiel aus der Region geben:

Roger Menck

Bereits als Kind in den 70ern fiel mir auf, daß in unserer Region viele Werbeplakate immer beschmiert oder gleich zerstört waren. Mit 12 lernte ich die Familie eines Klassenkameraden kennen. Er erzählte ir von einem „Onkel“ (?) den er hat. Sportler, Aktivist, Trainer und ein ganz…na….nennen wir es mal „sperriger Charakter“. Er erzählte von ausschweifenden Leben und das er den schönen Dingen des Lebens, vornehmlich Frauen, sehr zugetan war. Die Familie meines Klassenkameraden rauchte. Alle. Später einmal zeigte er mir eine Ente, die über und über mit Edding beschmiert war. Auf jedem verfügbaren Raum waren Parolen angebracht. Gegen das Rauchen. Mein Klassenkamerad beschied mir mit Worten, die ich lieber nicht wiedergeben will, was die (Patchwork-)Familie vom schwarzen Schaf hielt.

Mir fiel sofort auf, daß die Schrift identisch war mit derjenigen auf den Plakaten. Ich hielt es für angemessen meine Beobachtung den geeigneten Organen mitzuteilen. Als Antwort bekam ich den Hinweis, daß man Menck kennen würde und ich mit Anschuldigungen über verdiente Bürger besser zurückhaltend sein soll. Bayerisches Rechtssystem.

Genauso wie man in der Stadt Ulm Steuerbudgets bekommt obwohl stadtbekannt ist, daß die Person mit Geld nicht umgehen kann. Genauso, wie man als Lehrer mit Schülerinnen schlafen darf und als Dank auch noch ein Solidaritätskomitee bekommt und nach Wahl und Rausflug aus dem Schuldienst extra eine steuerfinanzierte Instatution geschaffen wird, in die jährlich zig-Hunderttausende versenkt wurden (natürlich der Kultur zuliebe, nicht der Person – Die Staatsdisco existiert heute noch) Genauso genießt dieser Mensch völlige Narrenfreiheit.

Zurück zu Menck. Er fing bald an die Medien mit Leserbriefen zu terrorisieren. Jeder, der nicht seiner Meinung war wurde rüde bis beleidigendend zurechtgewiesen. Gerne auch öffentlich. Er gründete eine Nichtraucherinitiative, die dank des „sperrigen Charakters“ eigentlich immer eine One-Man-Show blieb. Er ging auf öffentliche Plätze und pöbelte Raucher an. Er grölte in Bars und Veranstaltungen rum, er schrieb dazu Leserbriefe. Parallel bekam unser Zigarettenautomat am Haus „Verzierungen“ in bekanntem Schriftstiel, Aufkleber und ab und zu war schon mal Bauschaum im Münzschacht. Von Gerichtsverfahren hört man nichts. Bis heute nicht.

Auch in den zahllosen Leserbriefen ging es meist rüde zu. Zwischendurch trennte er sich vom Sportverein, oder der sich von ihm – je nach Sichtweise. Damit nicht genug: Als Sportler besitzt er auch noch Waffen. Jeder Jäger, den man angetrunken im Auto erwischt ist seine Waffen los. Als Radikalinski, der sich um das Eigentum anderer einen Kehricht schert….nicht!

Letzlich: Er hat gewonnen. Rauchen ist geächtet, oft ganz verboten. Die Nichtraucherinitiative ist Geschichte, Menck im Rentenalter.

Und nun?

Er sucht sich ein neues Betätigungsfeld. Er fand es, Nein nicht beim Alkohol….da wäre er nicht glaubhaft….auch nicht bei der Unzucht….da wäre noch unglaubhafter….sondern bei unserem Schwimmbad! Es hat, nach Renovierung, die Preise moderat erhöht.

Es ging los mit Leserbriefen, Boykottaufrufen und natürlich mit „Stop Wonnemar“-Schmierereien in gewohntem Schriftbild. Sein Boykott fand ich gut. Mit DEM Typen mag ich nicht in einem Becken planschen.

Was passierte?

Das Wonnemar senkte die Preise.

Ich frage mich nun, ab wann ich ein „geachteter, honoriger Bürger“ bin und auch alle anpöbeln darf, raumschmieren, zerstören und beleidigen ohne das mir was passiert. Ich frage mich auch, ab wann die Zeitung jeden eingeschickten Hetzbrief abdruckt? Muß man nur mit genug Ehefrauen wichtiger Männer schlafen? Oder braucht man drei oder mehr uneheliche Kinder von drei oder mehr Frauen? Muß man Nichtraucher sein? Richtige Partei? Ist Waffenbesitz ein Vorteil beim Vorbringen von Polemik? Braucht man einen Sponsorvertrag mit Edding? Wer bildet einen an der Sprühdose aus? Fragen über Fragen.

Ich würde gerne mal meine argumentative Klinge mit ihm in der Öffentlichkeit austauschen. Einen Versuch machte ich mal, aber mein Chefredakteur und auch er kniffen damals.

Falls es doch mal dazu kommt hoffe ich nur, daß er unbewaffnet ist und mein Auto/Haus/usw. danach unbeschmiert und unzerstört bleiben.

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