84,8kg und Helferlein aus dem Giftschrank

Heute früh ging es wieder mal einen Schritt rückwärts. Die sind aber einfach zu erklären. Ich habe gestern Abend als Feierabendsnack mir mageres Geräuchertes vor dem Fernseher geschnitzt. Immer wenn ich das mache, habe ich am Tag drauf ein Pfund mehr auf der Waage. Ich vermute das liegt am hohen Salzgehalt des Specks, der lagert Wasser ein. In der Tat habe ich gestern Abend zwei Flaschen geleert, die noch nicht wieder raus gekommen sind.

Wie jeder Betroffene weiß, ich Abnehmen ein lausiger Job, voller Mühen und Rückschläge. So liegt es für den einen oder andere Nahe, mit moderner Pharmazie ein klein wenig nachzuhelfen. Doping in Beruf, Sport und Ausbildung ist ja ein ein weiteres Thema aus den USA, welches besser dort geblieben wäre. Aber der Mitteleuropäer muß ja wie ein Äffchen jeden Dreck nachmachen.

Zunächst einmal einmal eine einfache Regel:

Alle Pillchen, die frei verkäuflich sind, sind rausgeschmissenes Geld und haben keinerlei Auswirkungen auf Euren Erfolg!

All die netten Fettverbrenner, Appetitzügler, Stoffwechselanreger, Fettbinder und Kohlehydratvernichter – alles eine freiwillige Geldspende an die Pharmaindustrie und die Werbeseiten der Frauenzeitschriften. Einziger Effekt für Euch: Ihr werdet ärmer.

Das heißt nicht, es gäbe nichts auf dem Markt. Es gibt sehr wohl was, daß auch wirklich was bringt! Da hat aber der Gesetzgeber den Finger drauf.

Faustregel: Alle Dinge die helfen, sind verboten oder dürfen nur durch den Arzt verschrieben werden! Alles mit Wirkungen hat nämlich leider auch Nebenwirkungen. Die Ärzte verschreiben sehr zögerlich und meist erst ab einem BMI von 30 und mehr und nur dann wenn keine Vorerkrankungen vorliegen. Ich will jetzt keinen Beipackzettel runterbeten, aber meist liest man Blutdruck- oder Lungendruckprobleme, Schlafstörungen, Nierenschäden, Nervosität, psychische Auswirkungen wie Aggressivität und Suchtgefahr. Diabetiker, psychisch Kranke, Süchtige und Herz-Kreislauf-Kranke sind damit schon raus!

Bissl unpraktisch…diese Erkrankungen sind häufig erst der Grund das Übergewicht in Angriff zu nehmen. Gerade Diabetes und Herz-Kreislauf sind ja typische Übergewichtsfolgen.

Zahlreiche Medikamente wurden in den vergangenen Jahren freiwillig oder durch Behörden vom Markt genommen, weil die Risiken in keinem Verhältnis zum möglichen Erfolg standen. Das restriktive Vorgehen der Behörden führte aber zu einem umfangreichem Schwarzmarkt, der zu umfangreichen, lebensgefährlichen Produktfälschungen führte. Ich kann nur heftigst davon warnen den legalen Weg zu verlassen und mit sowas rumzuexperimentieren. Ihr setzt Euer Leben aufs Spiel!

Kommen wir nun aber zu einer Auswahl der beliebtesten Mittel mit Effekt:

Unter den Tropfen ist Alvalin der Firma Riemser der unangefochtene Liebling der Adipösen. Der Wirkstoff kommt von der Kath-Pflanze. Da das Medikament oft über Monate nicht verfügbar sein soll, liegt der Verdacht nahe, daß der Wirkstoff immer noch von der Pflanze selbst kommt. Diese wird vornehmlich im Jemen und Somalia angebaut und ist dort Volksdroge Nummer 1! Auffällig: Alle Länder, in denen das so ist, sind streng muslimisch und kriegsgeschüttelte Krisenregionen.

Das Medikament wird für seine Effektivität gelobt, das „gute Feeling“ ist eine gerne akzeptierte Nebenwirkung. Durch die Tropfen besteht latente Mißbrauchs- und Suchtgefahr. Die Kosten sind aber sehr niedrig und werden in der Regel von der Kasse übernommen.

Bei den Tabletten waren lange Medikamente mit dem Wirkstoff „Sibutramin“ Nummer 1 der Charts, bekanntester Markenname war „Reductil“. Sibutramin-Medikamente sind mittlerweile flächig vom Markt genommen worden, werden aber trotzdem als Fälschung, Reimport oder Raubkopie gehandelt. Die Liste der ernsthaften Nebenwirkungen ist beachtlich, die Liste der direkten und vermuteten Todesfälle ist beachtlich. In Sportlerkreisen ist der Wirkstoff immer noch beliebt, trotz Aufnahme in die Dopingliste. Sibutramin ist ein Amphetaminderivat – kein Wunder, stehen doch Amphetamine und deren Derivate wie das berüchtigte Methamphetamin und die Ausweichdroge MDMA im Ruf wassertreibend und appetitzügelnd zu sein. Sogar das Militär hat diese Stoffe bereits in den Weltkriegen dazu benutzt die Soldaten schlaf- und hungerunempfindlich zu machen. Die negativen Auswirkungen auf die Psyche sind beim Menschentöten aber von Vorteil – bringen aber die Abspecker des Jahres 2019 direkt in den Knast oder die Psychiatrie!

Das bevorzugte Ausweichmedikament der Ärzte sind Tabletten mit dem Wirkstoff Amfepranon. Diese ähneln in der Wirkung mehr Alvalin, sind aber Tabletten und haben manchmal eine Retardwirkung. Die häufigsten Markennamen hierzulande sind Tenuate und Regenon. Das Medikament wird wegen der Mißbrauchsgefahr und dem Gewöhnungseffekt aber nur kurzzeitig angewandt. Kein Arzt wird es über einen längeren Zeitraum als 1-2 Monate verschreiben.

Seltener aber als Ausweichmedikament wird gerne mal Zyban oder Mysimba verschrieben bzw. andere Medikamente mit dem Wirkstoff Bupropion. Der wird normalerweise zur Raucherentwöhnung verschrieben, hat aber dank seiner Wirkweise eine sehr gute Abnehmwirkung. Da die Nebenwirkungen anders sind, als bei der anderen Stoffgruppe sind dies Medikamente, welche auch für Diabetiker in Frage kommen könnten. Leider sind die Nebenwirkungen heftige Auswirkungen auf die Psyche. Bipolare, Depressive, Schmerzpatienten und Suchtkranke sollten besonders die Finger davon lassen.

Schlimmere Fälle werden gerne mit Liraglutid behandelt. Der Wirkstoff muß mit einem Diabetespen unter die Haut gespritzt werden. Es wird nun im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans verordnet, Mißbrauchsfolgen sind meist Komplikationen des Magen-Darm-Trakts und Blutzuckerprobleme. Es steht im Verdacht Diabetesfolgen wie Blindheit, Nierenversagen usw. auszulösen oder zu verschlimmern. Dies konnte aber bisher wissenschaftlich nicht erhärtet werden. Es funktioniert aber auch nicht so gut wie die anderen Medikamente. Der durchschnittliche Gewichtsverlust war in Studien nur halb so hoch.

Das „Mittel der letzten Wahl“ sind die Phentermine, auch hier haben wir es wieder mit einem Amphetaminderivat zu tun. Eigentlich funktioniert es sehr gut, aber der Haken liegt an einem schnellen Gewöhnungseffekt. Die Patienten neigen dann dazu die Dosis zu erhöhen um dem Anfangseffekt wieder zu haben und gehen damit ein ernsthaftes Suchtrisiko ein. Bekannte Phentermine sind zum Beispiel Adipex. Es zeigen sich auch schnelle Erfolge, da zu Beginn viel Wasser ausgeschieden wird. Das belastet aber die Nieren. Da auch das Durstgefühl gehemmt wird kann es zu Austrocknung kommen. Wegen Produktklagen durch Herzklappenveränderungen in den USA wird der Wirkstoff in Deutschland derzeit nicht legal vertrieben. Finger weg!

Keine Rolle spielen hierzulande die Phendimetrazine (Bontril, Adipost, Anorex-SR, Appecon, Melfiat, Obezin, Phendiet, Plegin, Prelu-2, Statobex usw.). Die Wirkweisen und Probleme sind etwa mit den Phenterminen zu vergleichen.

Das Fazit: Es bleibt schwierig. Von Experimenten ist dringend abzuraten, hier kann man sich sein Leben nachhaltig versauen. Die richtige Verschreibung und Behandlung bleiben aber Glückssache. Man braucht einen guten, ideologiefreien Arzt, der einem effektiv hilft und den Weg überwacht. Das ist nicht einfach zu finden, ich selbst suche immer noch nach einem Fachmann in der Umgebung – bisher erfolglos.

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