87,7kg und was machen mit toten Pferden?

Meine Firma und mein Restleben unterliegen gerade einem Transformationsprozeß. Es geht auf zu neuen Ufern, was diese „neuen Ufer“ bringen werden ist unbekannt. Mal ausdrücklich meine Familie ausgenommen, ist es auch alles andere als sicher, daß die Veränderungen zu meinem Vorteil sein werden.

Ein guter Moment alles auf den Prüfstand zu stellen. (Ja, meine Familie ist immer noch ausdrücklich davon ausgenommen!)

Was nicht davon ausgenommen ist, ist mein gesellschaftliches Engagement. 1985 habe ich begonnen in der Jugendarbeit im Sportverein. Damals ging das noch ohne Scheine, Nachweise und Erlaubnis, habe eine Radio-AG gegründet, aus denen mehrere Vereine, Radiosender und Bürgerinitiativen hervorgingen. Das Ende markierte ein nettes Schreiben der bayerischen Landesmedienanstalt, die meine Medienarbeit für unerwünscht erklärte, da sie die Arbeit der kommerziellen Medienunternehmen wirtschaftlich beeinträchtigen würde. Danach bin ich direkt in die Kommunalpolitik gegangen, mir lag was dran in meiner Gemeinschaft etwas zu bewegen. Jetzt ist 2019 und das einzige was ich bewegt habe, war ich mich selber – und das auch noch zu wenig (laut Nokia Steel HR Fitnessuhr).

In der Zwischenzeit wurde nur wenig besser, aber viel schlechter. Die öffentliche Diskussion ist hysterischer geworden. Vernunft und Plan haben keinen Platz mehr, es geht nur drum möglichst viel Geld oder Privilegien abzugreifen, anderer Menschen Kassen so effektiv wie möglich zu plündern. Der Mob, die Hysteria und Empöria so effektiv wie möglich zu instrumentalisieren. Ängste zu schaffen um unpopuläre Maßnahmen und private Geschäfte durch zu drücken. Es ist doch Krise – da kennt Not kein Gebot. Wenn gerade keine reale Krise ist, dann finden wir schon was. Ich habe damals für die 35-Stunden-Woche gekämpft – die Jobs sind schon längst ausserhalb Deutschlands.   Ich habe das Waldsterben, das Ausgehen des Öls, den Angriff Zweier Kims, den kalten Krieg, den atomaren Erstschlag, den „Iwan“, den schwarzen Freitag, den Zusammenbruch der New-Economy, das Ozonloch, zwei Smogalarme, das Ende des Mayakalenders, verbleites Benzin, mehrere Störfälle im Atomkraftwerk Gundremmingen, das Jahrhunderthochwasser, drei Orkane (Wibke, Lothar und habichvergessen), mehrere Dürrekrisen, die Erosion der Alpen und drei Asylkrisen überlebt.

Ich bin sehr sehr müde.

Bei der Klimakatastrophe mache ich diesmal nicht mit.

Alles zusammen ist meine erst kommunalpolitische Veranstaltung heute exakt 30 Jahre her. Was habe ich seitdem erreicht? Woll ihr es wissen? Ich habe einen Grünpfeil an einer Ampel bewirkt, 135 Kilometer von meinem Heimatort weg, an einer Ampel die ich nie nutze. Weil es sonst niemand aus der Firma probiert hat. Nur deswegen.

Ansonsten habe ich nüchtern bilanziert genau gar nichts bewirkt. Weder in den Medien, noch für die Öffentlichkeit. Nichts was heute noch Bestand hätte.

Warum habe ich es dann gemacht? Aus einer persönlich gefühlten gesellschaftlichen Verpflichtung heraus, aber auch weil ich dachte es würde mir Freude bereiten. Auch da ist -nüchtern betrachtet – die Habenseite sehr mau, die Sollseite aber gut gefüllt mit Ärger, Streß, Formalkram, Kampf gegen Windmühlen und sinnlosen Streitereien um Kaisers Bart. Wäre das eine Firma, dann wäre ich mit der Bilanz bereits wegen Insolvenzverschleppung und Konkursbetrug in Haft. Es darf mir die Frage gestattet sein, warum ich meine kärgliche Freizeit in etwas investiere, daß mir unterm Strich bestenfalls Ärger einbringt.

Im kommenden Jahr stehen bei uns die Kommunalwahlen an. Ich soll kandidieren, ich soll ein Programm entwerfen, ich soll im Dezember und Januar jeden freien Tag auf dem Marktplatz stehen und mir die Zehen abfrieren um mich von Passanten beschimpfen zu lassen und dann doch keine Chance haben gewählt zu werden. Da frage ich mich, ob ich nicht lieber im Dezember die ruhige Zeit im Kreise meiner Lieben verbringen soll. Irgendwer, der machtgeil und eitel genug ist, sowie einen Betrag der mir gar nicht zur Verfügung steht zum Fenster raus wirft wird gewählt werden. Das war schon immer so – das wird so bleiben. Typen wie ich kommen nicht in solche Gremien. Wir haben fast nur ICH-AGs in der Kommunalpolitik. Für Idealisten ist kein Platz in der Hobbypolitik. In den 90ern bekam ich aus beruflichen Gründen alle Beschlußvorlagen des Stadtrates mit allen Akten. Würde ich das künftig sechs Jahre lang ehrenamtlich wollen und bearbeiten sowie entscheiden müssen? Ehrliche Antwort: Zum Glück kann das nicht passieren, ich hätte keinerlei Freude daran, auch nicht mich vom Bürger beschimpfen, bedrohen und beleidigen zu lassen.

Ich kämpfe gerne für einen besseren ÖPNV. Aktuell kämpfe ich mehr damit nicht von irgendeinem Psycho vor den Bus geschubst oder am Bahnsteig gemessert zu werden.  Dafür werde ich von blauen, blonden, kalkweissen arischen Urdeutschen auch noch gehasst und als „Kartoffel“ verspottet oder als „alter toxischer weisser Mann“ rassistisch beleidigt. Muß ich mir das noch länger geben?

Zwei weiteren Vereinen stehe ich aktuell vor, mindestens seit einem Jahr habe ich das Gefühl beide Clubs alleine am Leben zu halten, auch wenn es ein subjektives Gefühl ist. Wir brauchen einen neuen Vorstand: Bisher NULL Bewerber.

Die wenige Zeit, die ich für die sozialen Netzwerke aufbringe steht unter ähnlichen Vorzeichen. Ich verschwende Zeit um mich hinterher drüber aufzuregen. Wozu mache ich das? Facebook nutze ich nur noch um von anderen geklaute Perscheid-Cartoons anzuschauen und Fake-Profile zu bannen. bei Twitter ist die Blockliste schon größer als die Anzahl der Menschen mit denen ich noch interagiere. Alles Zeitfresser, die vom wahren Leben ablenken.

#AusGründen habe ich seit einem Jahr das sogenannte #Drachengame verfolgt. So eine kafkaeske Absurdität habe ich noch nicht gesehen. Das ist wie ein Autounfall bei dem man nicht wegschauen kann. Das aber die Welt in der wir leben und die immer krasser wird.

Leider muß ich den verhältnismäßig wenigen Lesern dieses Blogs auch mitteilen, daß die Werbeeinnahmen des Blogs im Jahr 2019 trotz stabiler Zugriffszahlen bei insgesamt 6 Cent liegen, während der Provider 3,99€ pro Monat von mir haben will. Die Zeit, die ich fürs schreiben, basteln, reparieren und das Abwehren von Hackerangriffen abwende geht noch mal extra.

Sagt mir was ich tun soll. Keine Antwort ist übrigens auch eine Antwort.

3 Gedanken zu “87,7kg und was machen mit toten Pferden?”

  1. Hallo,
    Ich denke ich würde nur den blog behalten. Der blog ist auch ein Ventil um mal Dampf abzulassen . Man könnte ihn durch Sport ersetzen, aber das ist zeittechnisch auch nicht so einfach.
    Den Rest des Engagements würde ich beenden. Ich sehe den Sinn und ich habe auch einen Sohn der genau dort steht wo du 1985 standest und ich glaube man muss es machen wenn man das so spürt.
    An deiner Stelle würde ich jetzt die letzten guten Jahre genießen
    LG

  2. Hallo,
    ich bin über deinen Blog gestolpert, weil ich mich über die“ Fettlogik“ informieren wollte. Dies ist mittlerweile fast 3 Monate her. Genauso lange bin ich treuer Leser deines Blogs.
    Mir ist schon einige Zeit aufgefallen, das es irgendwie nicht so rund läuft bei dir, gesundheitlich und auch deine seelische Verfassung betreffend. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit eine Veränderung einzuleiten.
    Mein persönlicher Rat, sprich mit deiner Familie und deinen Freunden über dein Problem und deine momentane Verfassung. Und dann triff deine Entscheidung mit der du auch leben kannst.
    Mein persönlicher Rat: das Leben ist nicht endlich und irgendwann ist es Zeit auch Mal Zeit an sich zu denken und an seine Familie. Tu einfach das was dir Spaß macht und dich erfüllt. Glaube mir dein Körper wird es dir danken.
    LG

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