85,3kg und Verfallsdaten

Jawoll, wieder konnte ich gestern Abend nicht die Finger aus der Baklava-Packung lassen. Es war ein unbezähmbarer Heißhunger, fast so wie früher mit Zigaretten. Wieder erst gegen 22 Uhr. Ich muß mal in der Apotheke fragen, ob es da auch sowas wie Traubenzuckerpflaster dagegen gibt.

Verfallsdaten soll heute mein Thema sein, korrekter das „Mindesthaltbarkeitsdatum“. Bei den Amis heißt das „Best before“. Es heißt, nach dem aufgedruckten Datum schmeckt es nicht mehr so toll, vielleicht ist es auch schon hinüber. Finde ich gut. Bei uns hat das den Geschmäckle: Bis zu dem aufgedruckten Tag 23:59 Uhr, oder es ist hinüber und Du wirst am Genuß bestimmt sterben!

Blödsinn.

Der Feind des Lebensmittels läßt sich grob in drei Kategorien aufteilen: Schimmel – Oxidation – Mikroben!

Bei Schimmel ist der Fall eindeutig: Wegwerfen beim ersten Anzeichen. Sofort und vollständig! Wie bei fast allen Pilzen ist der sichtbare Fruchtkörper nur die Spitze des Eisbergs, das Meiste sieht man nicht. Dumm: Viele Pilze bilden als Stoffwechselproukt (Kacka) ein Gift aus der Gruppe die Aflatoxine. Sie sind so krebserregend und giftig, daß eine Zigarette dagegen ein Reformhausartikel ist. Noch dümmer: Man spürt das erst Jahre später und kann dann niemals mehr herausfinden woher es kam. Was lernen wir daraus?

  • Sieht man Schimmel und sei es nur ein winziges Pünktchen: Ab in den Abfall! Sofort und vollständig!

Mikroben haben auch den Nachteil, daß man sie nicht sieht und selten herausschmeckt. Alle Lebensmittel, die man abwaschen kann sollten auch abgewaschen werden. Besonders Bioprodukte, die in der Obst- und Gemüseabteilung verkauft werden. Fisch- und Fleisch sind noch mal ein Extrathema. Unsere Vorfahren wußten dank Krieg, Hungersnot, fehlendem Kühlschrank und ordentlicher Ausbildung noch genau was geht und was nicht. Heutzutage haben wir Frieden, Übergewicht, perfekte Lebensmitteltechnik und sozialdemokratische Reformpädagogik. Ich mach es einfach:

  • Schwein und Geflügel nur gut durchgegart essen. 
  • Wenn es über dem MHD ist, gesunden Menschenverstand einschalten, im Zweifel probieren oder wegwerfen
  • Aufgetautes nicht wieder einfrieren sondern durch Verarbeitung konservieren und wegwerfen
  • Alles aus rohem Ei auch behandeln wie ein rohes Ei. Im Zweifel wegwerfen. Dort bilden sich die heftigsten Mikroben. MHD und Kühlung beachten!
  • Bei abgepackter Wurst und Fleisch MHD beachten, offene Produkte schnell verbrauchen. Geruchs-, Sicht- und Geschmacksprobe können Hinweise geben – im Zweifel wegwerfen!
  • Bei Milch: Man schmeckt und riecht es
  • Fäulnis: Wenn es nicht gewünscht ist, betroffenen Teil großzügig entfernen
  • Fermentation: Wenn es nicht gewünscht ist, wegwerfen

 

Schwerer, aber ungefährlicher ist es bei Oxidation. Das ist ein besonderes Thema bei Fett. Fett oxidiert und wird dann ranzig. Butter, Öle und andere Fette werden meist ranzig bevor die Gefahr von Schimmelbefall besteht.  Bis die Oxidation schmeck- und riechbar wird ist das Produkt genießbar und kann verwendet werden.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) hat in der EU die Bedeutung einer Produktgewährleistung. Bis dorthin gewährt der Hersteller die Qualität des Produktes. Vereinfacht: Ist es nicht mehr einwandfrei vor dem aufgedruckten Termin, gewährt der Hersteller eine Nachbesserung.

Sonderfälle in denen das MHD Blödsinn ist:

Honig (ausser in Plastikverpackungen)! Honig hält bei vernünftiger Lagerung unbegrenzt. Wirklich unbegrenzt. Man fand in der Gegend die früher mal Babylonien war, Honig der mehr als 5000 Jahre alt und noch sehr lecker war. Honig ändert zwar seine Konsistenz von flüssig zu fest, daß ändert aber nichts an der Qualität. Sollte ich der Honig in einer Plastikpackung befinden, sieht es anders aus! Plastik altert, reagiert chemisch und gibt Stoffe an seine Umgebung ab. Umgebung ist auch das was sich in der Verpackung befindet. Das ist auch der Grund warum Wasser in Plastikflaschen nicht so lange hält wie in Glasflaschen. Glas ist dafür porös und die Kohlensäure entweicht, zudem erhöht sich die Oxidation. Limo enthält aus diesem Grund oft ein Anti-Oxidationsmittel. Es ist reaktionsfreudiger als die anderen Limobestandteile und reagiert somit schneller auf den Sauerstoff. Das Abfallprodukt dieser Reaktion ist meist harmlos. Der Gleiche technische Vorgang findet auch in Haarfärbemitteln statt, bei der Oxidation der gefärbten Haare würde sonst aus „Blond“ mit der Zeit „Türkis“. Unerwünscht. Das Antioxidationsmittel ist aber ein anderes als in den Lebensmitteln. Salz und Zucker ziehen Feuchtigkeit an und werden klumpig. Genießbar bleiben sie trotzdem. Auch das MHD bei Pfeffer und Paprika ist weniger wegen möglichem Schimmelbefall, sondern weil die aromatischen Bestandteile mit der Zeit verpuffen.

Kaffee ist oxidationsgefährdet, bei Lagerung ohne Sauerstoff und Licht aber sehr lange lecker. Bevor Kaffee muffelt, schmeckt er meist schon nicht mehr gut. Tee ist mehr schimmelgefährdet. Die hochverarbeiteten Produkte aus dem Supermarkt sind aber entsprechend behandelt.

Wie mache ich das jetzt privat?

Totes Tier: MHD ist Gesetz
Käse, Joghurt, Knäcke: Wenn es nicht schimmelt wird es gegessen
Gewürze, Obst und Gemüse, sowie Fertiggerichte: Es es nicht schimmelt, gammelt oder müffelt wird es gegessen
Nüsse: Sind sie schmierig, mit Belag auf der Schale oder ziehen Fäden fliegen sie in den Müll
Süssigkeiten, Chips und Gebäck: Nicht schimmlig oder ranzig wird gnadenlos verspeist
Honig, Salz und Zucker: MHD ist Bullshit
Mehl und anderes Pulverzeug: MHD ist Gesetz, weil ich im Zweifel den Schimmel nicht erkenne. Ich nehme aber bei zweifelhaften Dingen meine Nase oder Zunge zur Hilfe
Quorn, Tofu usw.: Sofort in den Abfall ohne auf das Datum zu achten.

Ich hoffe ich konnte helfen.
Diskussionsbedarf, Kommentare und Fragen?

Gerne!

 

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